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Schwierige Filme im Selbstversuch: Alice in den Städten

3. Juli 2012

Darüber, dass die Filme von Wim Wenders schwierig sind, muss nichts mehr geschrieben werden. „Der amerikanische Freund“ mag ich, Dennis Hopper ist dabei und das Viertel um den Fischmarkt ist darin in seinem Fast-Nachkriegszustand filmisch festgehalten. Alles andere, was ich gesehen habe, ist eher schwierig. Klebrige Dialoge, sämige Handlung, aber die Bilder manchmal ganz schön. Heute im Selbstversuch: „Alice in den Städten“.

Der Reporter, der nicht schreibt. Amerika macht halt was mit einem.

Fängt an mit schönen Amerika-Bildern. Der Protagonist soll eine Reportage schreiben, macht aber nur Fotos. Er redet wenig. Der erste Teil ist also gut. Dann fährt er nach New York, wo seine Reise startete, und geht zum Verleger, der sauer ist, dass er nichts geschrieben hat (kann man verstehen) und der Protagonist bekommt den Vorschuss nicht, um den er gebeten hatte. Der Dialog zwischen Verleger und Protagonist zeigt dann auch schon, wohin die Reise geht:

Verleger: Sie sollten keine Fotos machen. Sie sollten eine Geschichte schreiben.
Protagonist: Ich weiß, aber die Geschichte handelt von Sachen, die man sehen kann. Von Bildern und Zeichen. (…) Wenn man durch Amerika fährt, dann passiert da was mit einem. Durch die Bilder die man sieht. (…) Ich kann ihnen das jetzt wirklich nicht erklären.

Der Verleger. Will verständlicherweise keinen Vorschuss auszahlen.

Also mal ehrlich: Wim Wenders hätte gut daran getan, die Handlung mit dem Verleger weiterzuführen. Aber er ist ja dann doch eher der Typ für sensible Künstlertypen und so geht’s weiter mit dem blondgelockten Protagonisten.

Dies ist ca. Minute 15 und die Geschichte hat noch nicht einmal begonnen! Warum also tue ich mir das an. Weil: Es gab den Film in der öffentlichen Bücherhalle, wo ich auf dem Weg zur Kinderabteilung immer an den DVDs vorbeikomme, das Cover (Arthaus Collection, was für ein blöder Name) sah und wusste, dass Can den Soundtrack (war noch nicht so viel, aber das, was war, war natürlich gut) gemacht und Sibylle Baier eine Nebenrolle gespielt hat. Im Selbstversuch geht es heute also auch darum, herauszufinden ob Wim Wenders mir Can oder Sibylle verderben kann. Wenn die beiden ihren Beitrag zu einem extrem blöden Film geleistet haben und die Beiträge womöglich auch noch doof sind, dann, tja, werfe ich ihre Platten auf den Kompost.

Aber zum Glück kommt es anders (das Echtzeitschreiben funktioniert natürlich nicht. Ich bin schon bei Minute 53 und musste für die Dialog-Transkription zurückspulen). Ich mag ja oft Kinder in Filmen sehr gerne. Die sind unverstellt oder offensichtlich hölzern oder – meist – eine Mischung aus beidem. Deswegen kam Alice sehr gelegen. Der Plot geht so: Protagonist fliegt unerledigter Dinge in die Heimat. Auf dem Flughafen fliegt ihm über ein paar Umwege ein Kind zu, dessen Mutter sich aus fadenscheinigen Gründen absetzt. Alice (die eine Jacke anhat, die zehnfach cooler ist als die von Ryan Gosling in Drive) ist dann der entscheidende Filmgewinn. Die Dialoge kommen endlich mal von doofen Gedanken doof formuliert auf die Erde runter:

Protagonist: Alice ich kann doch nicht ewig hier auf dem Flughafen auf deine Mutter warten.

Alice isst gerne Hot-Dogs.

Alice und der Reporter landen über Umwege in der Stadt mit dem unschlagbaren Namen Wuppertal, da wohnt – vielleicht – die Oma. Wim Wenders ist natürlich auch ein unschlagbarer Name, ungefähr so gut wie Gwyneth Synapsis, und mit so einem Namen kann man natürlich nicht anders, als auch in die Dialoge zwischen Alice und Reporter den ein oder anderen dusseligen Dialog einzuschmuggeln (Alice: „Die Häuser, die leer stehen sehen aus wie Gräber. (Unheilschwangere Pause) Wie Häusergräber“ Fehlen nur noch die hohlen Augen von Wuppertal. Wer soll bei einem solchen Dialog nicht anders wirken als offensichtlich hölzern). Die meiste Zeit aber ist es erträglich. Und wie schon beim Fischmarkt: Die Wuppertal-Bilder sind wirklich sehr gut. Schwebebahnszene, großes Kino.

Ein Hotel, irgendwo auf der Reise. Frankfurt? Oder wars noch Amsterdam?

Jetzt warte ich noch auf den weiteren Fortgang. Und auf den Auftritt von Sibylle Baier, die auch Musik zu einem Film mit dem schönen Titel  „Umarmungen und andere Sachen“  (in dem wiederum Lieblingsschauspieler Jean-Pierre Léaud und Sydne Rome (remember „Was?“?) mitspielen) beigesteuert hat. Dann gehe ich zu Bett.

Da ist sie schon! Namenlose Schwimmbadbekanntschaft, dargestellt von Sibylle Baier, in deren Vornamen irgendwie das Y verrutscht ist.

P.S.: Die Auflösung ist unspektakulär. Einer der beiden sehr guten Kameramänner ist mein beinahe Namensvetter Martin Schäfer.

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