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Schmerzvoller Abend in Oles Flötenbude

6. Mai 2018
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Der gefährliche Design-Klotz

Kürzlich war ich dann trotz meiner leichten Klassik-Unverträglichkeit auch endlich mal in Oles Flötenbude, von den Hamburgern oder vielleicht doch eher vom Marketing Elphi genannt, muss ich jeden Tag von meiner Küche aus sehen, das kleinere Übel, bevor die Mörderbaustelle irgendwann ein komplett überflüssiges Motel One in unserer Hood ausspuckt, das schon jetzt alle hassen. Erst heute Nacht träumte ich, vor meiner Haustür würde ein Irish Pub aufmachen und wachte schweißgebadet auf, zum Glück ist derSprayerladen noch da! Karten offiziell ergattert über die dämliche Verlosung.

 

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Vorm Küchenfenster

Immerhin „Stargaze“ mit Songs des großartigen „Black Star“-Albums von David Bowie. Nun ja, der Gute kann selbst nicht dabei sein, aber für stolze 55 Tacken kamen doch irgendwie hochkulturelle Erwartungen auf. Am Tag zuvor eine freundliche Mail mit allen Infos zur Veranstaltung und zum Ort, von wegen wann da sein und so.

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Die Gurkentruppe voller Vorfreude (noch)

Alles brav absolviert, Tickets ausgedruckt, pünktlich da. Mit einer lustigen Gurkentruppe hingeschlendert und Spaß gehabt beim Umherwuseln und alles begucken und Aussicht und Ah und Oh und überhaupt. Der Design-Bunker hat allerdings so einige Tücken parat, wandelt man dort doch auf unwegsamem Gelände: Prompt brachte mich der Boden des elitären Bauwerks zu Fall – aufgeschlagenes Knie, Strumpf kaputt, Adrenalin Rush.

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Kollaterales Knie

Na ja, hart im Nehmen, wie wir sind, die Plätze im großen Saal eingenommen. Ausverkauft selbstredend, ganz schön anzusehen und so. Allerdings arg wenig Beinfreiheit an unseren Sitzen, dafür guter Blick auf die Bühne und von vorn. Immerhin.

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Ah und Oh Aussicht

Intermezzo: Die Stufen des Bauwerks haben schon zahlreiche Besucher zu Fall gebracht, weil die Planer sich gedacht haben, Scheiß auf die jahrhundertealten Schrittmaße, nach denen Treppen normalerweise so gebaut werden, wir machen das mal ganz anders, wenn die Leute stolpern wie die Fliegen, egal, Hauptsache sieht geil aus. Ach hätte ich doch den Krankenwagen gerufen, ich hätte Unsummen an Schmerzensgeld ergattern können oder eine lebenslange Klo-Flatrate oder so.

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Ah und Oh Aussicht 2

So, der Abend ging weiter: Musiker kamen auf die Bühne. Kurze Ansprache des Dirigenten Andre de Ridder, es geht los: Warzawa von ganz früher, damals mit Brian Eno. Gänsehaut. Bläser, Streicher, E- und Kontrabass und so weiter. Echt klasse und auch guter Sound, für meine Bassgeplätteten Ohren zumindest.

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Durch die Fenster

Dann „Black Star“ mit zwei Sängerinnen, Anna Calvi und Salt & Skin. Auch wirklich genial umgesetzt. Unglücklicherweise folgte dann eine Irritation der nächsten: Drei Sängerinnen (neben den bereits genannten noch StereolabSängerin Laeticia Sadier) boten abwechselnd Songs des großen Pop-Genies dar: eine war ok, die anderen beiden leider nur durchschnittlich, teils sogar mit leichtem Fremdschäm-Potenzial. Ashes to Ashes von Laeticia Sadier irgendwie schräg in der falschen Tonlage, dafür mit grandiosem Chor, weitere Songs exzellent musikalisch arrangiert, aber der Gesang unpassend und dem Anspruch der Musik so gar nicht gerecht werdend, kein Ausdruck, kein Charisma in Stimme und Auftritt, Anna Calvi spielte prima Gitarre, ihr Gesang war allerdings etwas tremolo-lastig und daher überladen.

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Musiker betreten Bühne

Kein Wunder also, dass mein Sitznachbar, immerhin als alter Bowie Fan extra aus Berlin angereist, sich irgendwann zu mir beugte und fragte, ob die auch was von Abba spielen oder vielleicht Obladioblada? So Top-40 Oldies mit Klassik Instrumentierung. Taten sie nicht.

Laut Info sollte das Ganze bis 21:55 Uhr gehen und der Dirigent hatte schon bei der Einführung darauf hingewiesen, die Zugaben habe man bereits in das Programm integriert. Als dann um fünf vor neun das Licht anging, war das Publikum zu Recht geschlossen irritiert. 55 Minuten. 1 Minute, 1 Euro! Na ja, dafür war man mal da und die Mucke war ganz ok bis auf das Gesinge.

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Ratlos verlässt das Publikum den Saal.

Kein Wunder also, dass mein Sitznachbar, immerhin als alter Bowie Fan extra aus Berlin angereist, sich irgendwann zu mir beugte und fragte, ob die auch was von Abba spielen oder vielleicht Obladioblada? So Top-40 Oldies mit Klassik Instrumentierung. Taten sie nicht.

Viele gehen ja zu irgendwelchem Kram, weil sie da unbedingt gewesen sein wollen und so überraschte die Geschichte eines anderen Begleiters kaum, der berichtete, wie sein Kumpel von auswärts kürzlich mit seiner Herzensdame bei einem zweistündigen Orgelkonzert gelandet sei. Ein Orgelkasten auf der Bühne, ein Orgeltyp davor, klimpert irgendwelchen Bach-Kram. Anstrengend statt unterhaltend, wenn man kein ausgewiesener Fan und oder Kenner des Genres ist. Plätze ganz oben, man sah den Klimperer von fern von hinten. Ein Drittel des Publikums sei dann auch nach der Pause gegangen. Die verbliebenen Zweidrittel schliefen.

 

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Endlich wieder nach Hause

 

Der Bowie Abend: Zum Einschlafen wars nicht, aber ein Hochgenuss auch nicht. Zu kurz, teuer, verletzt, irgendwie ärgerlich. Für Mittelmäßigkeit muss man da echt nicht hin.

Nachtrag: Mopo und Abendblatt glänzten dann auch großartig mit zwei komplett konträren Rezensionen des Abends: Während das Abendblatt nörgelte, das sei ja wohl Bowie zum Abgewöhnen gewesen, blödjubelte die Mopo was von einem orchestralen Denkmal für die Pop-Legende und salbaderte gar von Standing Ovations. Mutmaßung meinerseits und meiner Mitstreiter: Die Mopo-Uschi hat einfach nur die Pressemitteilung abgeschrieben. Zudem gab es unterschiedliche Angaben zur Dauer des Dargebotenen, ich versichere: Am ersten Abend war es keine Minute mehr als 55 und nicht mal die Hälfte davon war gut.

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Das Knie Tage später

Nachtrag 2: Das Knie schmerzt auch Tage später immer noch und schillert in sämtlichen Regenbogenfarben.

(habe auf Verlinkungen verzichtet. Wer mehr wissen will, muss einfach selber suchen oder schreibt mir: wortpong@web.de)

Fast alle Fotos sind von der wunderbaren Melanie Geiß (Dankeschön!)

 

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