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Verschiedene Sande

19. Dezember 2011

Rum und rum im Karussell

Mehrzahl von Sand? Keine Ahnung. Sände? Sands? Sande? Interessant im Leben, dass es immer wieder offene Fragen gibt. Der Duden steht nur fünf Meter entfernt im Nebenraum und das Internet direkt vor mir, aber ich bin zu faul. Ist ja auch egal, es geht heute schließlich um drei Mal Sand, Einzahl. Der erste Sand ist der neue Roman von Wolfgang Herrndorf. Er heißt tatsächlich „Sand“ und es ist schon mehr als genug Gutes über ihn geschrieben worden. In Sand passiert sehr viel. Mit Ausnahme einiger grandioser Passagen (Gespräch beim unterbeschäftigen Psychotherapeuten zum Beispiel), in denen Herrndorf großes Dialogtennis spielt, kommt man selten zum Luftholen. „Sand“ ist aber mehr als rasantes Abenteuer, sondern spielt in einer Meta-Liga, in der nur wenige mitspielen können. Und als wenn das nicht schon genug des Lobes wäre: Es ist auch noch lustig. Gedächnisverlustiger Protagonist wird gefoltert und beantwortet die Frage, warum er „im leeren Viertel gewesen sei“ mit: Er „möge die Kinks lieber als die Beatles“!

Andere Zeiten, anderer Stil: Metaebenen der Herrndorfschen Art waren Franz-Josef Degenhardt wohl eher fremd. Im Nachkriegsdeutschland sind die Gefechte allerdings auch anderer Natur. Mama und Papa Nazis (vielleicht, eventuell, kann sein), Onkels und Tanten Nazis (spricht man ja nicht drüber), Richter, Lehrer, Bäcker. Aber jetzt die Devise: Maßhalten, Mund halten, Ärmel aufkrempeln und aufbauen. Ich stelle mir vor, dass man in einem solchen Klima nicht anders sein will als direkt und wütend. Und beides war er ja, der Degenhardt, der jetzt leider nicht mehr näselnd und wortgewaltig herumätzen kann, weil er ganz woanders ist, wo es hoffentlich noch besser ist als hier. In „Vatis Argumente“ prangert der Vati die verwahrlosten Sitten der zweiten Nachkriegsstudentengeneration an: „Wenn wir uns gewaschen haben, dann mit Sand, jawohl mit Sand!“ Dazu ein Breakbeat und der erste deutsche Rap. Ganz wunderschön auch dieses Video, eine WDR-Aufzeichnung vom Liedermacher-Festival Waldeck aus dem Jahre 1965 (es gibt die gesamte Reportage des WDR im Netz, sehr sehenswert, allein aus medienhistorischem Interesse):

„Gibst du mir Steine, geb‘ ich Dir Sand“. „Wir bauen eine neue Stadt“ war der größte Hit von Palais Schaumburg, die am Wochenende in Hamburg ihre Generalprobe für den offiziellen Reunionauftritt absolvierten. Und was soll man sagen: So kurz vor Jahresende noch ein Konzert des Jahres. Hiller, Blunck, Fehlmann, Hertwig, allesamt in Bestform. Jedes Rockklischee gekonnt vermieden und trotzdem war’s enorm tanzbar. Viel zu jung wollte ich mal mit einem Freund ins Onkel Pö, um Palais Schaumburg zu sehen. Wir wurden wieder rausgeworfen. Am Samstag im Pudel wurde dieses Trauma überwunden. Die neue Platte würde ich mir sofort und taub kaufen. wortpong-Kollege AndreasU brachte es beim Refrain von Telefon auf den Punkt, als er mir ins Ohr brüllte, dass kaum jemand in zwei Worten (Telefon, Blumenhalter) die seltsame Schönheit der deutschen Sprache so treffend zusammengefasst habe.

Telefon, Blumenhalter. Dies singend, überstehen wir auch die Weihnachtstage. Und alle: TELEFON, BLUMENHALTER!

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