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Toiletten dieser Welt 5: „Eiscafé Venezia“, Hamburg

2. Dezember 2011

Genderverwirrungen in öffentlichen Toiletten - das hätten sie gerne, die Kreativbetitler.

Für dieses vorerst letzte Aufbäumen der beliebten Reihe „Toiletten dieser Welt“ ist ein Kommentar unter dem vorvorerst letzten Artikel zum Thema verantwortlich. In ihrem Beitrag schreibt die Kommentatorin mit dem kryptischen Tarnnamen dbMdW folgendes:

„ich wünsche mir so sehr eine abhandlung über totalausgefallenkreative herren/damen-schilder! empfehlenswert ist da z.b. die austerbar: ein ast und ein astloch weisen auf die für den toilettengang ausschlaggebenden körperteile hin. ich (weiblich, zu dem zeitpunkt alkoholbedingt intellektuell etwas beeinträchtigt und gerade deswegen aus gutem grund auf der suche nach einer toilette) stand bei meinem ersten besuch dort von einem bein auf das andere trippelnd erst mal ganz schön ratlos davor. es schien mir zu plump, ich dachte, ich interpretiere die gezeichneten schilder falsch und mir entgeht vielleicht doch der entscheidende hinweis und das ganze ende damit, dass ich in die herrentoilette reinplatze – und aus film und fernsehen wissen wir doch, welch schreckliche folgen das haben kann: schreiende menschen, die schlimmste nur vorstellbare peinlichkeit, vielleicht sogar soziale isolation. auf jeden fall habe ich die kreativen köpfe der auster bar (überhaupt: was haben ausgerechnet bäume mit austern zu tun – hätte man nicht zumindest im element bleiben können?!) dafür verflucht sich zu fein zu sein, einfach ein W und ein M oder ähnliches an die türen zu nageln!“

X oder ...

Dieser Beitrag erschien am Samstag, den 26. November. Am Abend desselben Tages betrat ich gegen 21:43 Uhr die Toilette des Eiscafé Venezia im Schulterblatt, wo ich auf einer Geburtstagsfeier leckere, seltsame Longdrinks, gemixt aus scharfer Ingwerbrause, Vodka und Gurke, trank. Diese und andere Flüssigkeiten innerhalb meines Körpers wollten nun im Kreislauf der ewigen Wiederkehr ein neues Level erreichen, drängten also hinaus. Vor den Toilettentüren im ersten Stock suchte ich nach der richtigen Tür und war schwuppsdiwupps in einem Bilderrätsel gelandet. Wobei sich die Geschlechtsteil-Symbolik recht gut erschließt. (Die Sie ganz bequem, ohne das Etablissement jemals in Persona besuchen zu müssen (wobei, dabei verpassen Sie natürlich auch die interessanten Gurkendrinks) auf den angehängten Fotos nachvollziehen können)

„totalausgefallenkreative herren/damen-schilder!“ – Ich dachte, dieses Thema sei mit den 1990er Jahren ausgestorben. Und dann begegne ich ihm an diesem 26. gleich zwei Mal! In Hamburg-Ottensen gab es mal eine Bar, es war, wenn ich mich nicht irre, das Offshoot vom „Blauen Barhaus“, Name gerade vergessen. In dieser Bar jedenfalls waren damals, als ich in den 90ern zum ersten Mal dort war, die Damen- und Herrentoiletten durch die Geschlechterchromosomen gekennzeichnet. Um peinliche Situationen vermeiden zu können, musste man also über Grundkenntnisse in der Biologie der Säugetiere verfügen. XX oder XY? Mal ehrlich, liebe Leserinnen und Leser, wie würden Sie entscheiden?

... X?

Kreativität ist zweifelsohne eine Tugend; sie sollte aber bei der Kennzeichnung von wichtigen öffentlichen Orten tunlichst unterdrückt werden. Was ja eigentlich auch ganz gut klappt. Glücklicherweise sieht man heutzutage wenig kreative Damen-Herren-Schilder. Standards und Piktogramme sorgen sogar dafür, dass man in den meisten Kneipen, die man besucht, in den meisten Ländern, die man bereist, zwar kein Rhabarberkompott bestellen, wohl aber problemlos die Toilette finden kann. Ein paar Fragen bleiben nun meinerseits ans Publikum: Wohin ist eigentlich das alte „00“ als „WC“-Synonym verschwunden? Gilt „WC“ überhaupt weltweit? Und zuletzt: Wofür steht eigentlich „WC“? „Walter und Claus“ wäre schön.

Gute Nacht.

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4 Kommentare leave one →
  1. bördi permalink
    6. Dezember 2011 22:03

    hm, das hochglanz boy-girl-bird-dings kenne ich in schmierig und edding vom fsk-klo. wer zuerst dran denkt, macht ein foto, ok?! ist aber glaube ich die mädchentoilette oder ist das da 2in1 bzw. take 2 get 1 free oder wie das heißt?

    • MartinS permalink*
      6. Dezember 2011 22:10

      haha, fsk ist auch nicht mehr das, was es mal war. das foto stammt nämlich aus der fsk toilette. schmierig und edding war früher, heute hochglanz. fsk-toilette ist übrigens auch so ein ding: unisex, oder heißt das heute 2in1?

  2. lutu goh permalink
    7. Dezember 2011 11:28

    Au Backe! Wenn schon das FSK-Klo hochglanzmäßig durchgentrifiziert ist, droht ja baldigst der Untergang des Abendlandes oder?
    Für den Verfasser übrinx noch eine unverzichtbare Applikation für das neumodische Mobiltelefon, damit die Quelle der Inspirationsorte dieser munteren Artikelchen niemals versiegen möge:
    https://market.android.com/details?id=de.mobilino.gotoilet&feature=search_result
    http://itunes.apple.com/de/app/toiletten-finder/id311896604?mt=8
    boah, voll nerdy: android UND apple Link! Sind wir hier im Infotainment-Channel?! Ist das womöglich die Gentrifizierung des Wortpong-Blogs?! Ach scheiß drauf.

    • Per Gee permalink
      7. Dezember 2011 11:35

      Zum Thema 2in1 Toiletten gibt es ja wohl nur the one-and-only Purgatory-Toilette unten im Keller, wo IMMER mindestens zwei Personen auf einmal im Kabüffchen drängeln, um wer-weiß-was zu zu machen … womöglich polysex statt unisex und altmodische Rauschdrogen komsumieren, während mindestens 25 Personen geduldig in der Schlange warten, die bis nach oben rauf zum Dancefloor geht.

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