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Toiletten dieser Welt 3: „Golem“, Hamburg

12. November 2011

Die Vergänglichkeit von Allem und Jedem ist eine der unerfreulichen Tatsachen, denen man sich im Leben stellen muss. Sie wird etwas erfreulicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass aus jedem Verlust etwas Neues entsteht. Das Blatt verwelkt, segelt zu Boden, vermodert und sorgt dafür, dass ein Apfelbäumchen wachsen kann. Beautiful, isn’t she, die ewige Wiederkehr? Trotzdem: Vergänglichkeit bedeutet Verlust von Bekanntem und das ist oft sehr traurig. Und so kann einen ein Hauch von Wehmut ereilen, wenn man den schwarzen Vorhang neben dem Tresen im Golem in der Großen Elbstraße in Hamburg öffnet, sich nach links in die Herrentoilette begibt und der Blick auf den Spiegel fällt.

"Boys Boys Boys" sieht mir schon nach Neuklientel aus.

Die Bar Golem ist eine Außenstelle des „Übel & Gefährlich“ und wurde (ich glaube) im letzten Jahr eröffnet. Und zwar in den Räumlichkeiten des Headbanger’s Ballroom, was ein guter Name ist, der auch schon deutlich macht, worum es dort ging. Härtere Rockmusik und ähnliches. Nun muss man wissen, dass im Golem die ehemaligen Betreiber der Weltbühne, was für ein paar Jahre der sensationellste Club Hamburgs war, mitspielen. Die Bar ist auch wieder etwas Besonderes. Außergewöhnlich schön eingerichtet für einen eigentlich ziemlich uninteressanten großen Raum in einem Neubau. Mit der notwendigen Liebe zum Detail. Es gibt zum Beispiel eine Bücherwand mit einer „versteckten“ Tür, die in den Keller führt. Das wünsche ich mir, seit ich denken kann, für die eigene Wohnung, ist aber schwierig wegen der Nachbarn. Der Gin-Tonic wird nicht mit Schweppes und Gordon’s gemixt. Statt Sekt ist nur Champagner erhältlich. Die Musik ist eigentlich immer gut (2 Stunden Klaviermusik am Donnerstagabend). Aber genug des Lobs. Es soll hier um Toiletten gehen. Während der Barraum sorgfältig erneuert wurde, hat man auf den Toiletten die Aufkleber des vorigen Etablissements an Kacheln und Spiegeln belassen. Eine gute Idee, denn auf diese Weise wird die Lumpen- bis Herr-von-Eden-Bohème mit der doch recht brachialen Bilderwelt des harten Rocks und seiner 666 Subgenres konfrontiert.

Nach und nach verschwinden sie nun, diese aufgeklebten Zeichen des ewigen Wandels und der ewigen Wiederkehr in der Kneipensubkultur. Sie werden mit zielgruppengerechteren Motiven überklebt oder abgekratzt und bevor sie ganz verschwunden sind, habe ich am Donnerstag noch ein Foto des Spiegels gemacht. Torture Squad als Symbol der Vergänglichkeit und der ewigen Wiederkehr. Die Toilette spricht, man muss nur hinhören.

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