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Banging down the Walls of Fortress Europe!

27. Mai 2011

Puh. Es gibt Bücher, die kann man nicht so in eins durchlesen und dann weglegen und eins dieser lustigen Thirtysomething-in-Beziehungskrisen-Scheiß-Bücher hinterher schieben, weil einem das irgendwie bitter im Halse stecken bleibt. 

Eines dieser Bücher ist in jedem Fall „Bilal“ von Fabrizio Gatto. Es erschien bereits 2005, hat aber nichts von seiner Eindringlichkeit verloren. Der Autor ist italienischer Journalist und er hat sich auf die Spuren der illegalen Migranten aus Westafrika gemacht. Von Dakar an der senegalesischen Küste reist er nach Niger, um in trostlosen Sahara-Käffern die Menschen auf ihrer verzweifelten Reise ins Ungewisse zu porträtieren. Er tut dies mit einer Menschlichkeit, die einen beim Lesen direkt ins Herz trifft. Denn er nimmt an den Geschichten der Leute teil, ohne sie einfach nur zu dokumentieren und dann im Dunkel der Ereignisse zurückzulassen. Er reist mit ihnen gemeinsam bis an die libysche Grenze, wo es für ihn nicht weitergeht. Auf dem Weg sehen und erleben sie vieles, was für uns unvorstellbar und unmenschlich ist, für viele auf der Suche nach einem besseren Leben jedoch Realität.

Also kehrt er zurück nach Italien, um sich wenig später vor Lampedusa ins Meer zu werfen, damit er auf diese Weise als kurdischer Flüchtling Bilal in das dortige Auffanglager kommt. Die Bedingungen, die er beschreibt, sind einfach nur grausam und verstörend. Ebenso der E-Mailverkehr mit zwei Liberianern, die zwar den Höllentrip durch die Sahara überlebt haben, dann aber in Tripolis gestrandet sind und denen er versucht, von Italien aus zu helfen. Die beiden haben Papiere, die ihnen eine legale Einreise nach Europa ermöglicht. Wenn die libyschen Behörden sie denn lassen würden.

Ein Buch, das einem viel abverlangt. Das aber unbedingt gelesen werden sollte, denn lange habe ich nichts so eindringliches mehr gelesen!

Und noch so ein Buch und wieder von einem Italiener. Erstaunlich. Fabio Geda „Im Meer schwimmen Krokodile“. Auch dies eine wahre Geschichte. Und zwar die eines kleinen afghanischen Jungen, den seine Mutter mit zirka zehn Jahren nach Pakistan bringt. Um ihn dort allein zurück zu lassen. Um ihn vor den Taliban zu retten. Er ist zehn.

Der kleine Enaiatollah schlägt sich durch. Arbeitet erst in Pakistan, dann auf verschiedenen Baustellen im Iran, bevor er mit einem Schlepper in die Türkei kommt. Diese Reise ist grausam. Sechsundzwanzig Tage dauert der Marsch durch die Berge Aserbaidschans, bei dem viele einfach verschwinden. Dann drei Tage zusammengekauert im doppelten Boden eines LKW und die Ankunft in Istanbul. Zusammen mit vier anderen Kindern die nächtlich Überfahrt in einem Schlauchboot nach Griechenland, bei der der kleinste einfach so aus dem Boot fällt.

Schließlich kommt er in Italien an und hat Glück: Er ist noch immer minderjährig und nach einiger Zeit kommt er in eine Pflegefamilie und trifft den Autoren Fabio Geda, der seine Geschichte aufschreibt. Wahnsinnig berührend. Wie auch „Bilal“ ein Buch, das einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Griechenland will ja nun eine Mauer bauen, um den Flüchtlingsstrom zu kappen. Libyen steckt auch ziemlich in der Patsche und die Boote nach Lampedusa werden durch den Dauergebrauch nicht unbedingt sicherer.

Alles Weitere haben Asian Dub Foundation bereits 2003 gesagt:

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