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Möglichkeiten einer Insel …

8. Mai 2011

Einfach abhauen. Wenn es kompliziert wird, das Handtuch schmeißen, den ganzen zivilisatorischen Ballast abwerfen und in Einklang mit der Natur fröhlich und zufrieden leben – und nicht zu vergessen die edlen Wilden, von denen man sich eine Scheibe abschneiden kann (bildlich gesprochen natürlich, wobei die Wilden es in diesem Fall wohl doch eher wörtlich nehmen würden, aber dazu später mehr.)

Der Ausstieg also. Von dem träumte anno dazumal schon ein gewisser August Engelhardt. Der Nürnberger war im Deutschen Kaiserreich immer wieder angeeckt, weil er dem Vegetarismus und schlimmer noch dem Nudismus zugeneigt war. Zum Glück hatte der Kaiser ein paar Südsee-Eilande unter seinen kolonialen Fittichen und so konnte Engelhardt dort seinen Traum vom Sonnenparadies ausleben. Autor Marc Buhl hat aus dieser unglaublichen, aber wahren Geschichte einen Roman gemacht. Wie so oft bei Romanen, die auf wahren Begebenheiten beruhen, wurde die Geschichte mit Dialogen und inneren Monologen der Protagonisten aufgehübscht. Marc Buhl hat das auf angenehme und eher dezente Art und Weise gemacht, um das Dilemma und die Seelenpein des frühen Hippies zum Ausdruck zu bringen. Aber dennoch bleibt irgendwie ein schaler Beigeschmack, dass die Geschichte eben nicht wirklich authentisch ist und zumindest halb erdichtet und mit etlicher künstlerischer Freiheit ausgeschmückt.

Obwohl Marc Buhl wie gesagt einen guten Job macht. Dabei hätten mich einige der historischen Fakten viel mehr interessiert. Ein musikalisches Wunderkind namens Max Lützow war nämlich einer der Engelhardtschen Jünger. Er kam als einer der ersten auf die Insel, um dem europäischen Moloch zu entfliehen und Frauen- und Kokain-Skandale hinter sich zu lassen. Unter durchaus mysteriösen Umständen kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden Männern und Lützow kam während eines Sturms auf der Flucht von der Insel um.

Auch das Ende der Sonnenjünger ist im Buch nicht so richtig erwähnt. Während des ersten Weltkriegs wird Engelhardt in einem Lager untergebracht und irgendwann starb er wahrscheinlich an Unterernährung, denn er hatte beschlossen, sich nur noch von Kokosnüssen zu ernähren. Vielleicht war es aber auch ein Sonnenstich, denn er fand, die Haarwurzeln seien das einzig reine am menschlichen Körper und durch sie strömte die Energie der Sonne direkt ins Hirn und halte die schädlichen Einflüsse der unreinen Organe, zu denen allem voran der Darm zähle, nur dann wirklich effektiv fern, wenn sie konsequenter und permanenter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind.

Gutes Buch. Sollte man unbedingt lesen, wenn man in den Tropen urlaubt. Und nicht nur dann. Denn die Überheblichkeit und die gleichzeitige Hilflosigkeit der Kolonialisten wird ebenso hübsch erzählt wie die naive Verblendung der Sonnenjünger. Aber auch die edlen Wilden kommen letztlich nicht ganz so edel rüber und in der Kombination ist das ziemlich lustig.

Und wer noch Tipps braucht, was für den Trip in die Sonne mitnehmen soll, der sollte mal bei Fischmob reinhören:

 

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