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One Book Wonder

7. Dezember 2010
So muss ein Schriftsteller aussehen (findet Morrissey auch): der junge Truman Capote

So muss ein Schriftsteller aussehen (findet Morrissey auch): der junge Truman Capote

Mit großem Vergnügen lese ich gerade Truman Capotes „Wenn die Hunde bellen“. Der Band versammelt „Stories und Porträts“. Mit sonstigen bibliographischen Angaben geizt die Ausgabe. In einer Buchkritik (?) zu Jane Bowles, der Frau von Paul Bowles, die er über den Klee lobt, beschwert sich Capote über deren dünnen Output („Der vorliegende Band stellt sozusagen ihr Gesamtwerk dar.“) und schreibt dann über das Schreiben:

„Als wir einmal über einen Kollegen sprachen, der müheloser arbeitet als wir beide, sagte Jane: ‚Aber ihm fällt es so leicht. Er schreibt im Handumdrehen – wörtlich im Handumdrehen!‘ In Wirklichkeit ist Schreiben niemals leicht; falls irgend jemand es noch nicht wissen sollte: es ist die härteste Arbeit, die es gibt, und für Jane wächst sie sich, glaube ich, zur wahren Quälerei aus. Und warum auch nicht? – da sie sich sowohl ihre Sprache wie ihre Themen auf langen, qualvollen Wegen und steinigen Geröllhalden erkämpft.“

Jane Bowles sollte man also mal lesen. Und ich habe nachdenken müssen über Autoren mit dünnem Oeuvre: In der Minimalversion (ein Roman mit Belang) fielen mir zwei ein: Malcolm Lowry (Unter dem Vulkan) und Wenedikt Wassiljewitsch Jerofejew (Reise nach Petuschki). Bietet jemand weniger?

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2 Kommentare leave one →
  1. Der junge Werther permalink*
    9. Dezember 2010 09:21

    Salinger fällt einem natürlich noch ein, der ja neben dem ‚Fänger im Roggen‘ nur mediokre Kurzgeschichten und Essays geschrieben hat. Wenn es aber um das WENIGERBIETEN geht, dann könnte ich auch und zuallererst mich selbst ins Spiel bringen, der ich – wie etwa auch das zu Unrecht völlig unbekannte Universal-Genie Bronko Steinhausen – dem ästhetischen Konzept des ‚Künstlers ohne Werk‘ anhänge: Mein nun schon jahrzehntelang andauernder Werkverzicht speist sich aus verschiedenen Quellen: Einer Genie-Idee, die ich hier aus Gründen eben dieses Werkverzichts nicht näher ausformulieren will, gründlicher Publikumsverachtung, einem ausgewachsenen „Writer’s block“ und natürlich negativer Erhabenheit.
    MfG
    A.U.

  2. MartinS permalink*
    17. Dezember 2010 12:58

    So geht’s natürlich auch. Künstler ohne Werk ist ein interessantes Konzept, das der konzeptuellen Vertiefung verdiente. Und Salinger ist natürlich ein gutes Beispiel. Angeblich soll er ja munter weitergeschrieben haben. Angeblich warten 15 Bücher auf Veröffentlichung. Hier ist eine schöne Beschreibung eines Kleinverlegers, der kurz vor der literarischen Sensation (ein neues Buch von Salinger!) doch noch scheitert: http://nymag.com/arts/books/features/65210/

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