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Zufallspredigt Nr. 4: Die Hand Gottes!

6. Juli 2010

Die Hand Gottes. Sie lenkt den Lauf der Welt.

Das letzte war ein besonderes Wochenende. Es war das Wochenende, an dem die Hand Gottes ihren Träger wechselte. Während die alte „Hand Gottes“, Diego Maradona, der während der Weltmeisterschaft an jeder Hand eine riesige Uhr trug, als Trainer der argentinischen Nationalelf eine historische Niederlage erlitt, hielt ein nicht minder historisches Handspiel Uruguay im Wettbewerb. Der Offensiv-Allrounder Luis Suárez, in den Niederlanden mit dem „Gouden Shoe 2010“ ausgezeichnet, hatte in der 120. Minute einen Kopfball Ghanas auf der Linie in Torwartmanier abgewehrt – und so das letzte verbliebene afrikanische Team aus dem Wettbewerb geschmissen. Das alles ist hinlänglich bekannt und wird unter Fußballfreunden derzeit heiß diskutiert. Denn trotz roter Karte und Elfmeter, den höchsten Strafen dieses Ballsports also, bleibt das Gefühl, dass Ghana zu Unrecht gehen musste. Suárez war die moralische Dimension seines Handspiels herzlich egal. Er ging als der glücklichste Rote-Karte-Träger der WM vom Platz und brüstete sich in anschließenden Interviews damit, dass die „Hand Gottes“ auf ihn übergegangen sei.

Grund genug, ausnahmsweise mit den Prinzipien der Zufallspredigt zu brechen und dieses tagesaktuelle Geschehen ohne zufällige Bibelstelle gezielt hinsichtlich Bibelkompatibilität zu prüfen.

Den Begriff, um den es hier geht, hatte ursprünglich Diego Maradona geprägt. Der argentinische Ausnahmespieler nahm im Viertelfinale der WM 1986 gegen England seine Hand zur Hilfe, um den Ball zum Führungstreffer über den Torwart zu schlenzen. Argentinien wurde Weltmeister. Auf die Frage eines Journalisten, ob es ein Handspiel gewesen sei, sagte Maradona: „un poco con la cabeza de Maradona y otro poco con la mano de Dios“ – ein wenig Maradona-Kopf und ein wenig “Hand Gottes” seien im Spiel gewesen. Für den gläubigen Fußballer ist dies eigentlich ein kleiner Frevel. Die Hand Gottes nämlich ist ja nicht irgendeine Hand. Es ist die Hand des Schöpfers, des Allmächtigen, des Allwissende, des Weltenlenkers! Die Hand Jehovas! Nicht eine Fußballerhand, die aus niederen Beweggründen einen Ball ins oder aus dem Netz patscht.

Die Hand ist ein Symbol für die Macht Gottes. Allein im alten Testament wird sie über 200 genannt. Sie verleiht besondere Kräfte. Sie tut Gutes, sie heilt, sie beschützt und sie straft. Durch sie findet die Schöpfung statt. Sie führt die Israeliten aus der Knechtschaft durch die Ägypter. Dem Propheten Elischa verlieh die Hand des Herrn sogar Wunderkräfte.

Letzteres ist dann eine interessante Parallele zu Maradona und Suárez: Hält man es mit den Pantheisten, nach deren Lehre Gott nicht der Mann mit weißem Bart im Himmel ist, sondern die Gesamtheit der Dinge auf Erden, die Natur selbst, so wird am Ende ein Schuh draus. Maradonas Hand ist genauso Gottes Hand wie Suárez’ Hand oder meine Hand! Alle Hände sind irgendwie Gottes Hände. Und jedes Fußballergebnis ist Gottes Ergebnis. Das ist es auch, was Maradona der Welt mitteilen wollte, als er im Jahr 2006 in einem Interview mit dem englischen Torjäger Gary Lineker erklärte, warum er zwanzig Jahre zuvor von der „Hand Gottes“ gesprochen hatte (und auch endlich gestand, dass er vorsätzlich die linke Faust benutzte, weil er ein paar Köpfe kleiner ist als der englische Keeper): „I said it was the `Hand of God‘ because God gives us the hand.“  Was uns diese Erkenntnis für die laufende WM bringt, liegt dann wiederum auf der Hand (pardon!): Im Gegensatz zu Maradona, Suárez, Jogi Löw oder den englischen Buchmachern wird Gott sich bei der Übertragung des Finales am Sonntag eher langweilen. Wer noch Wetten abgeben möchte, sollte einfach mal oben (bzw. bei den Dingen, also, äh, irgendwo) nachfragen.

P.S.: Dass die Engländer nach dieser WM nicht gut auf Gott zu sprechen sind, dürfte klar sein. Die Vorzeigeproleten von Oasis waren es noch nie, wie diese amüsante Zitatsammlung der Brüder Gallagher zeigt (via Monarchie & Alltag, dem tollen Popblog der taz, mehr Zitate bei Klick auf den Link).

“God? On Judgement Day, if there is ever one, I’ll have to say a few things to that fucking cunt.” (Noel Gallagher)

“Football is more important to me than religion. Some of the pop stars I like are more important to me than God, so yeah. I would hope we mean more to people than putting money in a church basket and saying 10 Hail Marys on a Sunday. Has God recently played Knebworth?” (Noel Gallagher)

“If a guy suddenly appears before me with a big beard and locks and all that caper and performed some fucking miracle, and then said to me, ‘Liam, I am God’ I’d say, ‘Fair enough, it’s a fair cop. I didn’t believe in you but fair play, you’ve got me.’ But until that day comes he can fuck right off.” (Liam Gallagher)

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