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Lockruf des Zonenrandgebiets – Ein Westalgie-Roman

22. Januar 2010

Es begab sich zu einer Zeit, da gab es mal eine Grenze zwischen Deutschland und Deutschland. Die war ganz schön böse und nix da von wegen Dialog oder Zusammenarbeit. Besonders schlimm wars in den 70ern, wo beide Seiten ihre ganz eigenen Probleme hatten. Der Kapitalismus boomte zwar, aber es zeichnete sich schon damals ein gewisser Zynismus ab. Es gab Engpässe, die Ölscheichs drohten die Pipelines abzudrehen, Panik herrschte nicht nur bezüglich der Energieversorgung. Im Osten lag natürlich alles brach und nix funktionierte so richtig. Also wurde spioniert, hüben wie drüben und spekuliert, was der andere denn nun wohl machten könnte, würde, sollte.

In dieser Szenerie spielt Oscar Heyms Roman „Die Reserven“. Ein junger, deutsch-amerikanischer Geologe kommt im Auftrag seiner US-Firma nach Deutschland, um im Grenzgebiet zur DDR nach Öl zu bohren. Irgendwie ist die ganze Sache total undurchsichtig. Er wird zum Spielball seiner Auftraggeber und deren Drahtzieher, mischt aber auch selbst gehörig mit, weil er in eine Art Öl- und Liebesrausch gerät. Denn eine hübsche als Pan-Am-Stewardess getarnte Spionin kommt auch ins Spiel. Letzlich geht natürlich alles derbe nach hinten los und das rauschhafte der ganzen Aktion bekommt immer alptraumhaftere Züge.

Eine Geschichte, die in einem äußerst spannenden Zeitraum angesiedelt ist. Ideologisch und kulturell in einer Art Niemandsland, auch die Örtlichkeiten scheinen ganz nah und doch so weit weg, wie sie nur sein können. Zwischen 70er Bombast und alles verneinendem Punk, so fühlt es sich beim Lesen an. Insgesamt ein tolles Buch, weil westalgisch und deshalb angenehm anders als der Ostalgie-Einheitsbrei. Für die Verschwörungstheoretikerin in mir hätte es noch ein bisschen mehr sein dürfen. Einiges bleibt ein wenig verschwommen, da wäre mehr mehr gewesen (auch hinsichtlich des bisweilen etwas schlampigen Lektorats). Aber das tat der Leselust keinen allzu großen Abbruch.

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