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Rasta-Blues im Zauberwald

13. Januar 2010

Früher, so Mitte der 90er, da gab es lustige Parties. Die fanden in irgendwelchen Wäldern oder an abgefahrenen Orten statt und ein paar Freaks karrten ihre Anlagen dort in die Pampa, drehten die Boxen auf und ein paar Leute kamen und tanzten ein paar Tage durch. Dazu hatten Deko-Artists, wie man das glaube ich im Fachjargon nennt, lustige Neonwolle in den Bäumen gespannt und irgendwelche Pilze gebastelt, die aufgestellt wurden und im Schwarzlicht leuchtete alles total abgefahren. Selbst die billigste Lichtorgel zauberte unfassbar geile Lightshows.

Nun ja, es mag auch damit zusammengehangen haben, dass die Tanzmeute meist auf einem lustigen Drogencocktail war. Ein paar Pillen einzuwerfen, war jedenfalls dem psychedelischen Effekttrip förderlich. Und je nach Stoff sah die Partycrowd dann auch irgendwann aus wie total abgedrehte Aliens.

Die Zeiten haben sich geändert. Was früher Goa hieß, ist nun Psytrance und die lustigen Fraggles von damals sind oftmals traurige Drogenwracks. Und irgendwie sind diese Parties auch schon lange das Gegenteil von cool.

Wer trotzdem mal wieder Lust auf so eine spacige Abfahrt hat, der kann heutzutage ins Kino gehen und Avatar angucken, den neuen Kracher von James Cameron, dem bald erfolgreichsten Film der Welt, aller Zeiten, des Sonnensystems oder so. Das ist ein Multikulti-Love-Trash-Alien-Öko-Epos in drei Deh. Und die Effekte sind echt schick. Wenn die blauen Rasta-Aliens mit ihren Katzenaugen und ihrem lustigen Schwänzlein durch eine Art Märchen-Dschungel huschen und es überall wabert und leuchtet, dann ist das eigentlich genau so so wie ganz früher auf den Parties. Nur ohne Drogen. Geil. (Obwohl der Film bekifft bestimmt auch super ist.)

Na ja, die blauen Rastas sind feingliedrige Öko-Gut-Aliens mit einer Prise Amazonas-Indianer („Edle Wilde“ at their best mit voll der Eso-Bindung an ihre Welt, die uns echt total fehlt) und die bösen Amis, die ihre eigene Welt kaputt gespielt haben, wollen rücksichtslos alles platt machen.  Einer von den Amis verkleidet sich mit einer speziellen Biotechnologie als Alien und soll sie ausspionieren, aber dann verliebt er sich und läuft über. Am Ende großer Showdown mit ordentlich Geballer und geilen Alien-Monstern (die grandioserweise ein bisschen an die Ishiro-Honda-Godzilla Filme aus den 70ern erinnern, wo Godzi mit seinen Monsterkumpels auf einer Monsterinsel wohnte, das waren noch Monster! Heute in 3D, aber eben damals schon da real Shit!), wobei das Geballer nur halb so cool rüberkommt wie der leuchtende Zauberwald.

Leider ist die Musik nicht so schmissig wie auf den Parties früher. Schade. Stattdessen wartet man immer darauf, dass Enyas unsägliches Orinoko Flow gespielt wird, das würde zum Rest des Soundtracks gut passen. Nervt ein bisschen.

Muss man reingehen in den Film? Nö. Nicht unbedingt, wenn man kein ausgeprägtes Faible für Alien-Fantasy-Kram hat. Kann man aber machen, wenn man bereit ist, die Handlung, Dialoge, Message nach ca. 10 Minuten gänzlich auszublenden und einfach nur die Bilder guckt.

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6 Kommentare leave one →
  1. Doozer permalink*
    14. Januar 2010 00:56

    das stimmt alles so was von, was die annette da schreibt – sehr fein! (einspruch gibt’s nur bei der sache mit dem sehen müssen oder nicht: muss man nämlich doch, zumindest wenn man im kino auf dinge steht, die man so im kino noch nicht gesehen hat: und was da 3d-mäßig abgeht, vorne auf der leinwand, das gab’s so eindeutig noch nie, das lässt einem so dermaßen die kinnlade runtergehen, dass man den ganzen eso-quatsch und das wirklich ziemlich dämliche finale ganz locker verzeiht. finde ich.)

    • annettebarrow permalink*
      14. Januar 2010 18:02

      aber du weißt doch, was unsere brüder von public enemy schon vor zwanzig jahren empfahlen: don’t believe the hype!

    • kinderkaffee permalink
      15. Januar 2010 00:32

      Avatar – dümmlicher „Pocahontas“ für 3-D Fetischisten

      http://freidemzen.wordpress.com/2010/01/15/avatar-%E2%80%93-seichter-%E2%80%9Epocahontas%E2%80%9C-fur-3-d-fetischisten/

      Avatar ist ein pervertierter Superlativ. „Das Teuerste“, „das Größte“, „das Neuste“ Schmierentheater! Denn wo offenbar mit der visuellen Ästhetik geprotzt wurde, hat man am Drehbuch/Inhalt mächtig gespart. Seicht-dröge Action- Liebesgeschichte im Alien-Gewand, zwischen Pocahontas und banal.

      Da fragt man sich nur, warum müssen moderne Blockbuster eigentlich immer so unsäglich dümmlich sein. In Zukunft – schlage ich vor – die Dialoge zu behalten und beim nächsten Filmvorhaben, marginal verändert, wieder zu verwenden. Wahlweise in ein amerikanisches Romeo-und-Julia-Ghetto gepackt oder in ein Historienepos versetzt. Da spart man sich das lästige „Rumgeschreibe“ und kann gleich mit dem Animieren beginnen. Da kann groß „VOM MACHER VON TITANIC“ und „MIT DER GESCHICHTE UND DEN DIALOGEN AUS AVATAR“ geworben werden.

    • 15. Januar 2010 01:51

      Dieser Film war ja so unsäglich dämlich, da hätte man, wenn man schon so viel Geld für die Grafik verpulvert, ein bisschen wenigstens in die Geschichte stecken können und die Botschaft war banal und ausgelutscht – absolut Hirnfrei!

      Glückauf

  2. MartinS permalink*
    14. Januar 2010 16:47

    Dieses Ding da, also das Bild mit dem furchterregenden Kastanienmonster im Artikel – ist das so ein Rasta-Alien? Oder ist das einer aus dem bösen Lager?

    • annettebarrow permalink*
      14. Januar 2010 17:18

      das kastanienmonster hatte sich auch bewerben wollen, egal für welche rolle. aber dann wars nach hollywood eh zu weit für die streichholzbeine und es kam nicht durch die flugsicherung.

      james cameron hatte außerdem auch schon die besetzungscouch entpolstern lassen, um aus dem futter dieses ganze effektgepütscher zu basteln, das dann im schwarzlicht nachher so geilo rumwabert.

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