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Endlich! Ein Verriss

9. November 2009

Und hier kommt er, der erste Verriss auf unserer kleinen puscheligen Wortpong-Wohlfühl-Blumenwiese:

So Leid es mir tut. Dieses Buch muss ich einfach verreißen. Ein bisschen zumindest. Es müsste also heißen „Lesen Sie das lieber nicht“ oder „Das müssen Sie nicht unbedingt lesen.“ oder „Was Sie sich getrost sparen können.“ – aber wir wollen mal nicht so inflationär werden mit unseren Rubriken. Es geht auch so. Zum Buch. Es ist ja nun so: Wir lesen die allermeisten Bücher, die wir hier besprechen, weil wir sie lesen wollen, nach Neigung, nach Lust und Laune und so weiter. (So wie ich jetzt gerade „Mann und Frau“ von Zeruya Shalev, großes Kino, auch wenns weh tut oder gerade weil, Super-Buch. Aber dazu ein andermal mehr oder auch nicht. Aber der Hinweis: „Lesen Sie das.“ Das ist nämlich gut.) Also freute ich mich entsprechend auf das bunte Konfetti-Cover-Buch „Unfun“ vom wunderbaren Matias Faldbakken (erschienen bei Blumenbar). Und hätte ich dies als erstes gelesen, hätte ich mich durchaus amüsiert. Aber alles kam ganz anders.72_cover

Mal ehrlich: „The Cocka Hola Company“ ist und war einfach der Hammer. Selten so gelacht über so eine geballte Ladung misanthropische Subversion! Und so lässig dahingerotzt! Davon konnte sich ein Michel Houellebeq noch getrost ein paar Scheiblein abschneiden. Bereits der Nachfolger „Macht und Rebel“ ließ dann einiges zu wünschen übrig, etwas wirr und schon etwas weniger lässig, wars aber noch irgendwie verzeihbar und leidlich unterhaltsam. Zudem war ich noch geflashed von der Begeisterung für den Erstling und auf dieser Welle der Sympathie glitt ich durch die Lektüre.

Nun also Unfun. Tatsächlich nicht lustig. Auch nicht im Subtext. Plumpe Provokation, bemüht und letztlich doof. Bescheuerte Figuren, die weder Angriffs- noch Identifikationsfläche bieten und somit eher langweilen als alles andere. Nicht mal das Gemetzel am Schluss reißt noch irgendwas raus, weil es so öde vorhersehbar ist.

Die Story: Ein bescheuerter und gestörter Skandinavier hat eine Idee für ein Ballerspiel. Er hat eine Firma beauftragt, es für ihn zu programmieren. Nun kommen ein Nigerianer, dem die Hauptfigur nachempfunden ist und ein traumatisierter Ami im Rollstuhl der eine Super-Stimme hat, die er der Hauptfigur geben soll. Irgendwie taucht auch die schwarze Exfrau des Skandinaviers ständig auf und ihre gemeinsamen Zwillingssöhne, die ebenfalls alle ziemlich gestört sind. Ein bisschen Gelaber zwischendrin über Gewaltphilosophie und die ach so seltsamen Schicksale und Lebenswege und so weiter und dann gibt es einen Bug im Spiel und alles läuft aus dem Ruder und am Ende dann Exzess und Gewalt und Blut und endlich letzte Seite. Gähn.

Herr Faldbakken, Sie sind ein intelligenter und saucooler Hund. Bitte verbeißen Sie sich nicht in die fixe Idee, immer abgefahrenes Zeug schreiben zu müssen. Bevor Sie wieder so eine leere Provokation raushauen, lassen Sie sich für das nächste Buch einfach ein bisschen mehr Zeit und das wird dann wieder echt super. Bitte, ich weiß, dass Sie das können!

Wer noch nichts von Mathias Faldbakken gelesen hat, der sollte nicht unbedingt mit „Unfun“ anfangen. Aber wer es doch tut, wird sich wahrscheinlich trotzdem halbwegs gut amüsieren.

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2 Kommentare leave one →
  1. MartinS permalink*
    11. November 2009 12:57

    Ich teile diese Auffassung, inklusive des letzten Satzes. Ein Buch wie sein Titel. Und wo bleibt jetzt bitte Herr Faldbakken?

  2. annettebarrow permalink*
    11. November 2009 13:06

    vielleicht kann der nur norwegischund babelfisch hat ungenau übersetzt.
    oder er hat sich einfach seit zwei tagen nicht mehr gegooglet. gibts das noch?

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