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Der Bergroman ruft

7. Oktober 2009

Bergromane sind eigentlich eher nicht so mein Ding. Das assoziiere ich mit der großelterlichen Polstergarnitur in tannengrün, Hansi Hinterseer und Konsorten, Blasmusi und beklemmenden Abgründen. Eben diese beklemmenden Abgründe kann der Schweizer Urs Augustburger allerdings so gut, dass auch ein Bergroman geht. Der Autor hat nämlich schon mehrere geschrieben.

224-400x400In „Wässerwasser“ (Bilgerverlag) nimmt er Motive aus früheren Büchern auf und macht daraus einen ausgesprochen spannenden Öko-Zukunfts-Thriller. Von Science Fiction jedoch kann hier nicht die Rede sein. Dafür ist die fast schon gespenstische Szenerie zu normal-real. Der Klimawechsel hat die Erde voll im Griff, aber die Menschen sind irgendwie doch dieselben geblieben. Die Handlung springt zwischen jetzt und Zukunft, irgendwann vierzig Jahre später. Eine Gruppe von Menschen, familiär oder freundschaftlich verbandelt, in einem Öko-Resort in den Schweizer Alpen. Das Wasser ist in der Zukunft knapp, die Gletscher geschmolzen, aber im Plontal auf dem Gelände des Eden-Resorts wird ein verstecktes Wasserreservoir gefunden. Wie praktisch, weil die Betreiber gerade jetzt von Unbekannten erpresst werden. Die Forderung: Sie sollen das Wasser freigeben und für alle zugänglich machen. In Rückblenden wird zwischendrin die Geschichte von Eden und die der Familie erzählt. Das ist ungeheuer spannend und die Klima-Horror-Szenerie in ihrer Bedrohung sehr realitätsnah und so gar nicht übertrieben dargestellt.

Und weil das gut recherchierte Buch eher spannender Thriller als heimat tümelnde Öko-Bergpredigt ist, verzeiht man ihm gern die ein oder andere Schwäche. Das recht umfangreiche Personenensemble ist nämlich bisweilen etwas verwirrend und sorgt beim Lesen für Irritationen, weil man sich bis zuletzt immer wieder fragt, wer jetzt noch mal wer war. (Hier habe ich mir eine Personenübersicht gewünscht, vielleicht ist es auch das Alter, aber der Autor ist genauso alt wie ich.) Außerdem haben die Sexszenen leider einen Tick zu viel Fremdschämpotenzial, Andeutungen wären wie so oft sexier gewesen. Aber egal, weil halb so wild und die perfekte Lektüre für den nächsten Bergurlaub. Geht aber auch am Strand oder ganz woanders.

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2 Kommentare leave one →
  1. 7. Oktober 2009 16:07

    sorry, wenn sich einmal mehr ein verleger meldet, aber, es dient der transparenz: unter http://www.bilgerverlag.ch lässt sich die CHRONIK als pdf herunterladen und das »wer war in welchem der drei romane nun schon wieder wer?« ist beantwortet.

  2. annettebarrow permalink
    7. Oktober 2009 19:27

    Nicht so bescheiden, Herr Bilger. Mit derart hilfreichen und die Lektüre der von Ihnen herausgegebenen Bücher so herrlich vereinfachenden Tipps, sind Sie selbstverständlich immer willkommen. Und auch sonst natürlich. Sollte Sie der Wind einmal nach Hamburg wehen, schauen Sie gern in unserer Radiosendung vorbei und erzählen ein bisschen mehr von Ihrem trefflichen Verlag.

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