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Bonustrack: Wie Captain Hot-Dog sich einst Melchior nannte, einer der drei heiligen Könige wurde und um ein Haar seine gute Erziehung vergaß (Hot-Dogs vorletzter Fall)

24. Juli 2009

(In Ordnung. Wegen der nachgerade wahnwitzigen Resonanz auf die Cpt. Hot-Dog-Files gibt es zum Wochenende noch den zweiten Teil. Und zwar gleich die ganze Geschichte in einem Abwasch. Heute in fünf Monaten ist übrigens Heiligabend und darum geht es in Cpt. Hot-Dogs vorletztem (bzw. vorvorletztem) Abenteuer. Also los:)

Kurz nach seiner Tragödie (Cpt. Hot-Dogs vorvorletzter Fall) nahm Cpt. Hot-Dog nach langer, zielloser Wanderschaft den Namen Melchior an und ließ sich in Al Kut am Tigris nieder. Es war um die Zeit des König Herodes. „Das Morgenland“, so hatte Rosinski damals gesagt. „Das Morgenland, das ist der Ort, den ich sehen möchte, bevor ich mal ins Gras beiße.“ Nun war Rosinski tot, ohne das Morgenland gesehen zu haben, und Hot-Dog war bloß noch ein Schatten seines Selbst. Das wurstige Gesicht war gezeichnet. Die gleißende Sonne, die ihm auf den vielen Meilen bis Al Kut, auf die Pelle gebrannt hatte, der Tod seiner beiden besten Freunde, Chef und Rosinski, der Verrat seines einstigen Förderers Cpt. America – all das hatte sich tief in sein Gemüt hineingefressen wie die Krätzeparasiten in die Haut. Und all das hatte aus ihm einen desillusionierten Zyniker gemacht, der für nichts empfänglich war. Außer für Hass und für Rache!

wueste

Der belebte Marktplatz von Al Kut am Tigris. Hinten bei den Bäumen steht ein verzweifelter Cpt. Hot-Dog und verflucht das Leben.

Als er kurz vor Weihnachten die kleine Steinhütte bezieht, die er für ein drei Kaugummis und eine halbe Schachtel Lucky Strikes pro Monat gemietet hat, zündet er zu allererst den Kamin an, zupft die Amerika-Flagge, die Cpt. America ihm einst schenkte, aus dem Rucksack und will sie schon mit einem verzweifelten Schrei in die Flammen werfen, als es plötzlich an der Tür klingelt.

„Entschuldigung, sind sie Cpt. Hot-Dog“, sagt die schwarzgewandete Gestalt, die sich als Gesandter Herodes‘ vorstellt, deren geisterhaftes Auftreten aber keinesfalls zu übersehen ist. Sie hat ein paar schwarze Flügel am Rücken kleben, schwebt 2,5 cm über dem Boden und ihr Gesicht ist eher Stern denn Gesicht. „Ich habe etwas zu verkünden! In Bethlehem wird heute ein Kindlein geboren, das in naher Zukunft von der westlichen Welt als Heiliger verehrt wird, insbesondere von dem Amerika, das du, Cpt. Hot-Dog, so sehr und aus so gutem Grunde hassen gelernt hast. Willst Du verhindern, dass in naher Zukunft riesige Truthahn- und Gänsefarmen angelegt werden, in denen das arme Federvieh, mit dem Dich immerhin deine Fleisch gebende Herkunft verbindet, unwürdig behandelt wird? Es ist in deiner Hand! Gehe dahin nach Bethlehem und folge dem Rat deines Herzens!

Cpt. Hot überlegt nur kurz. Das Schicksal des blöden Federviehs ist ihm reichlich egal. Die Aussicht aber, den Scheißamis und den bornierten Europäern das Weihnachtsfest zu vermasseln, lässt ihn nicht zögern. Wenige Minuten später hat er das Handy in den Wurstfingern und ruft seinen alten Kumpel Balthasar, einen betagten Rastafari, an.

„Hey Balthasar“, ruft er in den Hörer. „Kannst du mich verstehen?“

„Hot-Dog! Das ist aber eine Überraschung!“, schallt es aus der Hörermuschel.

„Keine Zeit für Sentimentalitäten.“ Hot-Dog will schnell zur Sache kommen. „Hör zu: Ich brauche Deine Hilfe! Morgen soll in Bethlehem ein Kindlein geboren werden, dass dereinst der geistliche Fürst der westlichen Welt wird. Wir müssen das verhindern und dazu brauche ich dich und deine Draisine.“

„Oh, das ist schlimm. Ein Heiliger, sagst Du… Da müssen wir was tun. Hast Du schon einen Plan?“

„Hmm, Du hast Recht. Wir können da nicht einfach reinspazieren und ein Kind ermorden. Wir brauchen einen Plan! Mir wird schon etwas einfallen. Ich schlage vor: Wir treffen uns morgen bei Sonnenaufgang am Bahnhof. Bring Deine Draisine mit, für Wasser, Knäckebrot und den Plan sorge ich.“

„Ich werde da sein. Eines noch: Ich bringe meinen Lehrling mit, ein schmächtiges Bürschlein namens Caspar. Der kann uns bestimmt nützlich sein und ist absolut loyal.“

„Super! Dann sind wir schneller und können vorher noch einen kleinen Abstecher nach Jerusalem machen. Ich würde gerne mal diesen Herodes kennen lernen, der mir den Tipp gesteckt hat. Also bis morgen!

Cpt. Hot-Dog alias Melchior geht hektisch im Zimmer auf und ab. Einen Plan! Ich brauche einen Plan! Auf der Suche nach Inspiration fällt ihm eine Holzkiste auf, die anscheinend zu seiner möblierten Steinhütte gehört. Darin befinden sich: Weihrauch, Myrrhe, ein bisschen Gold und drei Königskostüme vom letzten Fasching. „Das ist die Lösung“, denkt Hot-Dog. Wir verkleiden uns als drei Könige aus dem Morgenland. Damit finden wir überall Einlass! Balthasar und Caspar lenken die anderen ab, ich brate dem Kindlein eins über und Schluss ist mit dem Heiligenquatsch! Aber jetzt erst einmal schlafen..

Hinter der Wüstenlandschaft mit ihren kargen Bergen bahnt sich die Sonne ihren Weg gen Himmel, als Hot-Dog, Balthasar und Caspar das Gepäck auf die Draisine laden, die Königskostüme anziehen und ihren Weg ins ferne Jerusalem antreten. Drei Tage in der sengenden Hitze, drei frostige Nächte später haben sie ihr Ziel erreicht. Kaum am Bahnhof von Jerusalem eingetroffen, zückt Hot-Dog sein Handy und ruft Herodes an. Doch die Sekretärin am Ende der Leitung teilt ihm mit, dass der König für niemanden zu sprechen sei. Schade, denkt Hot-Dog, der hätte mich schon mal interessiert. Wie kommt er überhaupt auf mich? Niemand weiß, dass ich mich nach Al Kut zurückgezogen habe!

Der kleine Caspar reißt ihn aus seinen Gedanken: „Schau mal! Da hängt ein Bild von dem Typen.“ Und tatsächlich: An der Bahnhofswand hängt ein großes Plakat. Neben dem Konterfei des König Herodes prangt ein Text: „Im Namen des Kaisers Augustus fordere ich, euer König Herodes, euch auf, euch schätzen zu lassen, auf das alle Welt geschätzt wird und wir endlich wissen, wie viele wir sind!“ Hot-Dog betrachtet das Gesicht und da ist etwas, eine kleine Erinnerung, ein Fetzen seines alten Lebens, der hervor will, aber nicht kann. Ärgerlich, nicht Herr seiner Erinnerung zu sein, wendet er sich an die Gefährten. „Nun aber hurtighurtig, Kinder! Wir haben schon viel Zeit verloren. Es ist der 24.. Heute Abend müssen wir in Bethlehem sein und haben noch ein gutes Stück Weg vor uns.

Ein Stern steht über dem kleinen Stall, als das Trio am Abend dort ankommt, wo der Gesandte Herodes sie hingeschickt hat. Kaum ist die Tür geöffnet, stellt Hot-Dog fest, dass er nicht der einzige ist, der von der Ankunft des neuen Heiligen gehört hat. Drinnen erwartet sie ein großes Hallo: Maria kniet vor einer kleinen Krippe, die dem Kindlein als Bett dient, eine ganze Menge Hirten weinen Freudentränen oder tanzen herum, Schafe blöken die frohe Kunde und mittendrin wankt ein recht angetrunkener Herr umher, der sich als Josef vorstellt. Er sei so eine Art „Quasivater“, aber das sei egal, denn das Kindlein sei gesund und werde es weit bringen! Und überhaupt freue er sich, dass die drei heiligen Könige aus dem Morgenland den weiten Weg in seine bescheidene Hütte auf sich genommen hätten.

stall

Der Stall in Bethlehem. Hinten links (schwer zu erkennen): Josef mit der Krippe

„Was ist denn das für ein Schwätzer“, flüstert Hot-Dog seinen Komplizen zu. „Lasst uns bloß schnell anfangen. Das ist ja ganz fürchterlich hier.“

Und so beginnen Balthasar und Caspar mit dem Ablenkungsmanöver: Sie entzünden Weihrauch und Myrrhe, schmeißen Gold in die fröhliche Menge und geben ein paar Weisheiten von sich. Vor allem das Gold verfehlt seine Wirkung nicht. Jeder versucht ein paar Klumpen abzubekommen, sogar Maria, die gerne in einem komfortableren Haus wohnen würde. Ein Tumult entsteht und Hot-Dog nutzt die Gelegenheit. Er schleicht zu der Krippe, sieht das Kindlein und greift mit seinen Wurstfingern den zarten Hals des Neugeborenen. Doch kurz bevor er zudrücken will, hält er inne. Urplötzlich ist der Groschen gefallen. Die Erinnerung ist zurück. Nun weiß er, wo er das Gesicht des Herodes schon einmal gesehen hat! Herodes ist Cpt. America – der Cpt. America, der seine beiden besten Freunde auf dem Gewissen hat. Und im Bruchteil einer Sekunde durchschaut er den infamen Plan seines Erzfeindes! Cpt. Hot-Dog tätschelt die Wange des Kindleins dreht sich um, erhebt die Stimme und spricht zu der Runde:

„Hört mich an. Ich war verblendet. Durch eine Intrige sollte ich nach meinen beiden besten Freunden nun auch noch meine Selbstachtung und Würde verlieren und zum Meuchelmörder werden. Doch nun, nun habe ich zu mir zurückgefunden. Und nun weiß ich auch, was zu tun ist: Cpt. America, dieser listige Hund, muss seine gerechte Strafe erhalten. Und ich, Cpt. Hot-Dog werde es sein, der den Zorn Gottes in seiner ganzen Grausamkeit gleich einem Füllhorn aus gruseligen Grausamkeiten über diese gottlose Gestalt kommen lassen werde!! Und nun lasst uns feiern, denn ein Kindlein ist geboren. Soll es doch heilig werden, wenn das sein Berufswunsch ist!“

Die Runde schaut ihn verständnislos an, doch da die meisten eh bloß das Wort „Feiern“ verstanden haben, setzt sofort ein großes Gejohle ein.

So geschah es, dass Weihnachten Weihnachten ist und Jesus Jesus und damit endet die Geschichte, in der Cpt. Hot-Dog beinahe dafür gesorgt hätte, dass die Welt heute um ein paar Feiertage ärmer wäre.

(Jetzt aber erstmal Luft holen. Teil 3 und 4 kommen irgendwann später mal, wenn sich die Lage beruhigt hat. Ein schönes Wochenende!)

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