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Cpt. Hot-Dogs vorvorletzter Fall (1/3)

21. Juli 2009

Und hier beginnt er, der erste Teil der Hot-Dog-Tetralogie von Martin Schaefer:

In diesem Moment sitzt Captain Hot-Dog am Küchentisch seiner Wohnung an der Großen Elbstraße. Der Schlafrock, aus feinstem Naturdarm gefertigt, schmiegt sich angenehm an sein wurstiges Haupt. Der Schneider hatte allerfeinste Ware verwendet: Buttdarm vom Rind. Und zwar die A-Qualität! Es war ein Geschenk seiner Tante und Captain Hot-Dog hatte aufgehört, die Rinderkappen zu zählen, die für die Anfertigung eines solch feinen Schlafrocks notwendig sein müssen. Pudelwohl fühlt er sich darin, mit seinem Streuselkuchen und dem Kaffee dazu. Vor ihm auf dem Tisch liegt das Fachmagazin „Die Fleischerei“. Seit er seinen neuen Job angetreten hat, gehört die Zeitungslektüre zu seinen Aufgaben. Man muss schließlich auf dem Laufenden bleiben, denn die Wurstszene verändert sich ständig.

Cpt. Hot-Dog hat sich gerade im Kiosk einen leckeren Reisriegel gekauft. Er trägt hier übrigens den Umhang, den Cpt. America ihm einst schenkte.

Cpt. Hot-Dog leckt sich die Lippen, denn er hat gerade im Kiosk eine leckere Reiswaffel gekauft und verspeist. Er trägt hier übrigens den Umhang, den Cpt. America ihm einst schenkte.

Dementsprechend konzentriert ist sein Wurstblick an diesem Sonntagnachmittag. Er versucht möglichst viele der Artikel zu verstehen, sich diejenigen Tatsachen zu merken, die irgendwann nützlich werden können. Die meisten Artikel sind langweilig: „Die Hygiene der Fleischerbekleidung“ – nicht sein Aufgabengebiet. „Wellness-Wiener statt Light-Lyoner (Gesunde Ernährung spricht auch junge Kunden an)“. Pah, Lifestylescheiße! Dagegen interessant wie immer die Rubrik „Wissenswertes“: „Rechnet man die Gesamtmenge des heute in Deutschland pro Jahr verarbeiteten Naturdarms zusammen, so ergibt sich eine Länge von 1,4 Millionen Kilometern – die fiktive Darmschnur ließe sich 35mal um den Erdäquator spannen.“ „Das muss ich mir merken“, denkt Hot-Dog, doch bevor er das tut, weckt der kurze Text „Schlachten in der Diskussion“ sein Interesse. „Um sanfteres Schlachten ging es auf dem 2. Schlachttechnologie Workshop in der Kulmbacher Bundesanstalt für Fleischforschung.“ Genau mein Thema, denkt Captain Hot-Dog. Und er liest: „Beim Rind geht die Diskussion um die Betäubung in die entgegen gesetzte Richtung. Hier ist die Elektrobetäubung im Aufwind, die ja beim Schwein vereinzelt als weniger vorteilhaft angesehen wird.“ Hot-Dog seufzt. Wenn bloß alle so vernünftig wären wie die Diskutierer auf dem Schlachttechnologie-Workshop, ich wäre arbeitslos, aber die Welt wäre besser!

Captain Hot-Dog ist Spezialagent bei der Fleischfertigungsüberwachung. Inadäquate Schlachtmethoden, illegaler Kunstdarm, Leberwurst mit mehr als 50 Prozent Chemieanteil – Captain Hot-Dogs Welt ist eine Welt voller Verbrechen. Und er ist einer der Besten, wenn es gilt, die Wertemodelle der freien Fleischwelt in die Tat umzusetzen.

17:45 Uhr: Das Telefon klingelt. Es ist der Chef: „Hot-Dog!? … Es gibt Arbeit. Wir hatten einen Anruf. Schaffst Du’s in fünfzehn Minuten in die Julius-Leber-Straße? Ein Drei-Vier-Zwei.“

„Si si, Cheffe, I’m on my way.“ Captain Hot-Dog kribbelt es unter der Pelle. Er mag seinen Chef und freut sich auf den Drei-Vier-Zwei – viel zu lange schon hat er herumgesessen. Endlich wieder ein Fall. Und zu allem Glück kein Leberwurst- oder Kunstdarm-Delikt! Nein! Eine inadäquate Schlachtungsmethode, Juchee! (…)

Erläuterungen: Cpt. Hot-Dogs vorvorletzter Fall ist die erste Geschichte der Superwurst aus dem Jahr 2004. Veröffentlicht wurde die Geschichte im (sehr empfehlenswerten) zweiten Kompendium der Kaffee.Satz.Lesen-Lesereihe.
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2 Kommentare leave one →
  1. La Salchicha permalink
    21. Juli 2009 09:56

    eine kleine ungenauigkeit in der bildunterschrift: reiswaffeln sind von natur aus NICHT lecker.
    petersilie schon.

  2. mart permalink*
    21. Juli 2009 10:41

    Da sind die Geschmäcker halt verschieden. Hot-Dog mag zum Beispiel gar keine Petersilie. Und Reiswaffeln? Nun, die sind zwar langweilig, aber als Lebensmittel so weit entfernt von lebendem Grundmaterial, dass ein Tier- und Pflanzenfreund wie Hot-Dog sie halt lecker findet. Ich verstehe das auch nicht.

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